Das sind Gewinner:innen des Open Call 2022 re:sources – Kategorie: Projekt

Mit grosser Freude möchten wir die Namen der vier Gewinner:innen bekannt geben.


Sandrine Elberg

JÖKULL *

Sandrine Elberg ist eine in Versailles, Frankreich, geborene bildende Künstlerin. Sie studierte Film, audiovisuelle Medien und Kunst. Später absolvierte sie eine Zusatzausbildung an der Fine Arts School in Paris, wo sie 2003 ihr Diplom erhielt. Seit 2015 konzentriert sich ihre Arbeit auf Astronomie und Naturwissenschaften. Sie hat bereits an verschiedenen Fotoausstellungen und Kunstveranstaltungen an renommierten Instituten teilgenommen.

„Jökull“ ist eine Hommage an das Erhabene, an Islands Gletscher mit ihren Verwerfungen, Narben, Wirbeln, Mulden und Spalten. Sandrine Elbergs Porträt der Gletscher unter dem Mond- und Sternenhimmel der Insel lädt uns ein, uns diese Eismonolithen als Ressourcen (wahrscheinlich) außerirdischen Ursprungs vorzustellen, um Vergleiche zwischen den Kräften zu ziehen, die unseren Planeten innerhalb geologischer Zeiträume formen, und der Geschwindigkeit des vom Menschen verursachten Klimawandels. Am 18. August 2019 erklärte Island den ersten seiner Gletscher für verschwunden. 400 weitere könnten innerhalb der nächsten 200 Jahre folgen, wenn die Treibhausgasemissionen auf dem aktuellen Niveau bleiben.

Statement Jury: „Die Jury war überzeugt von der Art und Weise, wie das Projekt „Jökull‘ der Erinnerung an die isländischen Gletscher Tribut zollt, indem es diese Naturlandschaften auf eine Reise in unbekannte Gefilde überträgt.“


„The memory of glaciers“

* Jökull = Gletscher, übersetzt aus dem Isländischen.


Ingar Krauss

The Solitaries

Ingar Krauss wurde in Ost-Berlin geboren und übte nach seiner ersten Ausbildung und Tätigkeit als Handwerker verschiedene Berufe aus, bevor er sich Mitte der 1990er Jahre der Fotografie zuwandte. Seitdem hat er an zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen teilgenommen, beispielsweise in der Hayward Gallery in London, im Musée de l’Elysée in Lausanne, im Palazzo Vecchio in Florenz, im International Center of Photography in New York und im Moscow House of Photography.

Ingar Krauss porträtiert seit Jahren den dünn besiedelten Nordosten Deutschlands und widmet sein aktuelles Werk „The Solitaries“ den sogenannten alten weißen Männern, die dort oft allein und sehr isoliert leben. Das ist definitiv keine verklärte Welt des neuen „Landlebens“ und der Wochenendfarmer, sondern die harte Realität eines aus der Zeit gefallenen Teils der Gesellschaft, oder wie der Künstler schreibt, „einer neuen männerdominierten Unterschicht (…), deren Angehörige von der Teilhabe an wesentlichen Bereichen der Gesellschaft ausgeschlossen sind: Sie haben oft keine Arbeit, keine ordentliche Ausbildung und keine Frau.“

Jury statement: „Die Jury war beeindruckt von der konsequenten Art und Weise, wie Krauss die Menschen, ihre Behausungen und die sie umgebende Landschaft durch seine analoge und entschleunigte fotografische Herangehensweise darstellt. Man merkt den zurückhaltenden Inszenierungen seiner Bilder die große Sympathie an, die der Künstler für diesen Landstrich und seine dünn gestreute Bevölkerung hegt.“


The Solitaries (04)


Antonio Pérez

THE SEA MOVES, THE SEA MOVES

Antonio Pérez ist Fotograf, Professor für Kommunikation, Neue Medien und Journalismus am CIEE und Mitarbeiter in verschiedenen Bildungszentren, Kunstgalerien und öffentlichen Einrichtungen. Seine Arbeiten wurden in Einzel- und Kollektivausstellungen und renommierten Publikationen (z. B. „Dictionary of Spanish Photographers“, 2014) gezeigt und mit verschiedenen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet.

Antonio Pérez konfrontiert uns mit Menschen, die zu den ersten gehören, die die unmittelbaren und nachhaltigen Folgen des Klimawandels erleben, weil deren Behausungen der Küstenerosion des steigenden Meeresspiegels zum Opfer gefallen sind. Seine Fotografien zeigen in wohlüberlegten Diptychen die Schauplätze der Zerstörung und stellen uns gleichzeitig in Portraits einzelne Betroffene vor. Diese Bilder unterstreichen die absoluten Bedingungen, die eine Umsiedlung und Neuanfänge anderswo erfordern, sei es nur ein paar hundert Meter landeinwärts oder an weiter entfernten Zielen, die eine dauerhaftere Zuflucht und eine wohlhabendere Zukunft versprechen.

Jury statement: „Die Jury war überzeugt, wie diese Doppelporträts die Symptome und Folgen der hauptsächlich von uns verursachten Klimaveränderungen zeigen, die gerade auch an anderen Orten und oft in ärmeren Regionen, wie hier in Fuvemeh (Ghana), auftreten. Hier werden Lebensgrundlagen, Einkommensquellen und Lebensweisen zerstört, die in unserem ressourcenintensiven und kohlenstoffbetriebenen Wohlstand in Europa normalerweise unbemerkt bleiben.“

09 „Akpabli Agbokede“


Ngadi Smart

„Wata Na Life”

Ngadi Smart ist eine Fotografin aus Sierra Leone, die in London, Großbritannien, und der Côte d’Ivoire lebt. In ihrer Fotografie konzentriert sie sich auf die Dokumentation von Kulturen, Subkulturen und Intimität. Oft sprechen ihre Arbeiten darüber, wie Menschen sich selbst identifizieren. Ihr Ziel ist es zu zeigen, was es bedeutet, Afrikaer:in zu sein. Ihre Arbeiten wurden auf CNN, British Journal of Photography, Vogue Italia, Atmos Magazine und I.D Magazine vorgestellt.

In „Wata Na Life“ thematisiert Ngadi Smart die globale Wasserkrise und untersucht insbesondere den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Wasser in ihrem eigenen Herkunftsland Sierra Leone. Sie schichtet unterschiedliche Realitäten des Themas in einzelne Bilder und montiert so eine Wirkungscollage, die wahrer ist als rein dokumentarische Darstellungen. Überhöhte und eingefügte Farben treffen auf Porträts der Menschen, denen sie begegnet ist, kombiniert mit Bildern von besuchten Orten und gefundenen Objekten. Dadurch schafft die Künstlerin eine großzügige Aura der Authentizität und eine gesteigerte sinnliche Relevanz. In ihrer Arbeit wird Wasser wirklich zu einem Element und einer Ressource, nicht nur zu einem Thema.

Jury Statement: „In einem Feld von Anwärtern, die das Festivalthema „re:sources“ wörtlich und oft nüchtern interpretiert haben, stach Ngadi Smarts Arbeit durch ihren erfrischenden Ansatz und ihre eindrucksvolle Bildsprache hervor.“

15 „Wata Na Life“


Shortlist des OPEN CALL 2022:


Carlo Bevilaqua
, Italien
Sandrine Elberg, Frankreich
Robin Hinsch, Deutschland
Niklas Hlawatsch, Deutschland
Sanna Kannisto, Finnland
Ingar Krauss, Deutschland
Kostas Maros, Schweiz
Antonio Pérez, Spanien
Tim Rod, Schweiz
Ngadi Smart, England
Simone Tramonte, Italien


Wie wir alle nur zu gut wissen, gab es seit Anfang 2020 in allen Lebensbereichen enorme Veränderungen und noch nie dagewesene Herausforderungen: Alles, was uns lieb und teuer ist, alles, was wir für selbstverständlich halten, alles, was uns Halt gibt, alles, was uns einen Sinn der Sicherheit gibt, wurde in Frage gestellt. Die Leere in unserem Leben hingegen ermöglichte es uns, neu zu bewerten, was wirklich wertvoll sein könnte. Der Ursprung einer besseren Zukunft liegt immer im Jetzt. Und Fotografie ist das perfekte Medium, um diesen Moment zu betrachten, die Vergangenheit zu reflektieren und auf das Kommende zu projizieren. Für die Ausgabe 2022 setzt sich das Fotofestival Lenzburg weiterhin mit dem Thema Ressourcen auseinander und konzentriert sich auf die Beziehung zwischen Mensch und Natur, die Gesundheit und das Wohlbefinden von uns allen, sowie die grossen klimatischen und menschlichen Veränderungen, die wir derzeit erleben.


Die Gewinner:innen erhalten:

  • Ausstellung während des Festivals für vier ausgewählte Projekte und über 50 Einzelbilder.
  • Preis der Jury für das beste „Projekt“: 1.500 CHF
  • Publikumspreis für das beste „Einzelbild“: 1.000 CHF
  • Übernachtung in Lenzburg für das Eröffnungswochenende (27.-28. August 2022)
  • Eigenes Feature auf der Festival-Website und den Kommunikationskanälen / Features in den Partnerkanälen des Festivals (bis zu 20 Partner)

Beurteilungskriterien

Die Jury entscheidet, welches Projekt das Festivalthema mit Tiefe, hoher Qualität und origineller fotografischer Sprache aufgreift. Projekte dürfen bereits produziert und ausgestellt worden sein, müssen aber aktuell sein (nicht älter als 2018). Gewünscht sind Fotoprojekte, die für Indoor- oder Open-Air-Ausstellungen, gedruckt oder digital, konzipiert sind.

Jury

Daniel Blochwitz

Kurator

Daniel Blochwitz ist freier Kurator für Fotografie in Zürich. Er hat in den USA Fotografie studiert und 2003 mit einem Master of Fine Arts von der University of Florida abgeschlossen.

Nach dem Studium ging Blochwitz auf Einladung des Whitney Museums nach New York, um das dortige postgraduierte Independent Study Program zu besuchen. 2005 begann er, für verschiedene Galerien zu arbeiten, anfänglich in New York City und später als Leiter der auf Fotografie spezialisierten Galerie Edwynn Houk in Zürich. Seit 2015 ist Blochwitz freier Kurator mit Schwerpunkt Fotografie und hat verschiedene Einzel- und Gruppenausstellungen für Museen, Galerien und Off-Spaces realisiert, u.a. zu Vivian Maier, Arnold Odermatt und Lee Miller. Darüber hinaus publiziert, lehrt und berät er immer wieder in Sachen Fotografie. Zwischen 2017 und 2019 wurde ihm zudem das Mandat des künstlerischen Leiters und Kurators der photo basel übertragen, welche er in dieser Zeit erfolgreich weiterentwickeln konnte.

Daniel Blochwitz ist Mitglied im Verein Spectrum – Photography in Switzerland und wurde dieses Jahr in die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) berufen.

Margherita Guerra

Direktorin Fotofestival Lenzburg

Seit vier Jahren Direktorin des Fotofestival Lenzburg. Nach ihrem Studium der Theologie, Multimedia-Publishings und Fotografie in Mailand ist sie seit 20 Jahren im Bereich der Fotografie tätig. Sie arbeitete als Managerin und Bildredakteurin in verschiedenen Verlagen und war zehn Jahre im Fotoarchiv Alinari, Florenz tätig. Im Jahr 2015 gründete sie Yourpictureditor, ein internationales Netzwerk von Bildredakteuren, das Beratung und Unterstützung bei Fotoprojekten in verschiedenen Ländern anbietet.

Ute Noll

Foto-Direktorin beim Du-Magazin

Ihre Projektagentur UTE NOLL VISUAL PROJECTS und ihre Galerie UNO ART SPACE mit Schwerpunkt internationale künstlerische Fotografie haben ihren Sitz in Stuttgart. Seit 2013 ist sie Foto-Direktorin beim Du-Magazin, Zürich, zudem für die Konzeption der Du-Magazine im Redaktionsteam zuständig und für deren Heftdramaturgie verantwortlich.

Entwicklung von Portfolio-Formaten für diverse Magazine seit 1999 und Autorin über Fotografie seit 2004. Co-Festivalmacherin Darmstädter Tage der Fotografie seit 2004. Dozentin FH Bielefeld seit 2009. Seit 2001 wird Ute Noll regelmäßig zu Juries und internationalen Fotofestivals eingeladen wie dem Fotofest, Houston. 2020 war sie Jurorin des Ilwoo Photographs Awards, Seoul, des Stiftungspreis Fotokunst der Alison und Peter Klein Stiftung, Nussdorf, und der Nannen JuryKategorie Fotografie, Hamburg. Selbstständig ist sie seit 2007, zuvor u. a. verantwortliche Bildredakteurin, Frankfurter Rundschau Magazin, 1999 bis 2007. Abschluss M.A.Soziologie, Tübingen. Einjähriges USA-Auslandsstudium Fotografie, Video und Schnitt.

Anne Lacoste

Direktorin am Institut pour la photographie Hauts-de-France, Lille

Anne Lacoste absolvierte eine Business School und schrieb ihre Ph.D. Dissertation an der Sorbonne über die Geschichte der archäologischen Fotografie. Von 2011 bis 2017 war sie Kuratorin am Musée de l’Elysée in Lausanne.

Sie arbeitete fünf Jahre lang bei Christie’s, bevor sie ihre Karriere als Kuratorin am Photography Department des J. Paul Getty Museums in Los Angeles begann. Seit 2005 spannen ihre Projekte einen Bogen über die Geschichte der Fotografie mit Monografien zu Felice Beato, Paul Strand, Irving Penn, Luc Delahaye und Philippe Halsman sowie zu Themen wie dem Porträt, der zeitgenössischen amerikanischen Fotografie, der Fotobox, Fotosammlungen und Archiven.